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Praktische Hilfe für den Alltag

St. Gallen
Artikel Nr. 1

Sieben Tipps, mit denen das Laden eines Elektroautos in der Schweiz einfacher und günstiger wird

Wer mit einem Elektroauto unterwegs ist, kann bei den laufenden Energiekosten gegenüber einem Fahrzeug mit Verbrennungsmotor sparen. Beim öffentlichen Laden ist der Preis allerdings nicht immer auf den ersten Blick ersichtlich. Je nach Betreiber, Ladestation, Ladeleistung und verwendeter App oder Ladekarte können die Kosten deutlich variieren.

In der Schweiz gibt es inzwischen ein dichtes Netz öffentlicher Ladestationen. Neben regionalen Energieversorgern betreiben unter anderem Swisscharge, MOVE, GOFAST, Migrol, Agrola, Ionity und weitere Anbieter Ladeinfrastruktur. Durch Roaming können viele dieser Ladestationen auch mit Apps oder Ladekarten anderer Anbieter genutzt werden.

Das macht das Laden komfortabel, aber nicht automatisch übersichtlich. Dieselbe Ladestation kann je nach gewähltem Zugang unterschiedlich viel kosten. Zusätzlich können neben dem Preis pro Kilowattstunde Zeit-, Stand- oder Blockiergebühren anfallen.

Wer einige Grundregeln beachtet, kann unnötige Kosten vermeiden.

1. Wenige Ladeangebote reichen im Alltag meistens aus

Es ist nicht notwendig, für jeden Betreiber eine eigene Ladekarte oder App zu besitzen. Sinnvoller ist es, zunächst zu überlegen, wo das Fahrzeug normalerweise geladen wird.

Wer zu Hause laden kann, deckt dort häufig den grössten Teil seines Strombedarfs. Für längere Fahrten genügt dann in vielen Fällen eine zusätzliche Ladelösung, die möglichst viele öffentliche Ladestationen in der Schweiz und im europäischen Ausland abdeckt.

Auch wer keine eigene Ladestation besitzt, muss nicht zwangsläufig zahlreiche Ladekarten mitführen. Ein gut ausgebautes Roaming-Angebot kann für den normalen Alltag ausreichen.

Entscheidend ist weniger die Anzahl der Karten als die Frage, ob die regelmässig benötigten Ladestationen zu vernünftigen Konditionen genutzt werden können.

2. Vor dem Laden immer den tatsächlichen Preis kontrollieren

Bei öffentlichen Ladestationen lohnt sich ein Blick in die App des jeweiligen Anbieters, bevor der Ladevorgang gestartet wird.

Der an der Ladestation angezeigte Preis ist nicht zwangsläufig der Preis, den ein Nutzer über einen Roaming-Anbieter bezahlt. Je nach Anbieter können unterschiedliche Tarife gelten.

Dabei sollte nicht nur der Preis pro Kilowattstunde beachtet werden. Möglich sind zusätzlich:

  • zeitabhängige Gebühren
  • Blockiergebühren nach einer bestimmten Ladedauer
  • Roaming-Gebühren
  • unterschiedliche Preise für AC- und DC-Laden
  • unterschiedliche Preise je nach Ladeleistung
  • besondere Konditionen mit einem Abonnement

Besonders beim Schnellladen können sich Preisunterschiede über mehrere Ladevorgänge hinweg deutlich bemerkbar machen.

3. Vergleichsmöglichkeiten nutzen

Wer regelmässig an unterschiedlichen öffentlichen Ladestationen lädt, kann mit Lade-Apps und Vergleichsdiensten prüfen, welche Ladestationen entlang der Strecke verfügbar sind und welche Konditionen gelten.

Das ist besonders bei längeren Fahrten durch mehrere Kantone oder ins Ausland hilfreich. Neben dem Preis spielen dabei auch andere Faktoren eine Rolle:

  • verfügbare Ladeleistung
  • aktuelle Verfügbarkeit
  • Anzahl der Ladepunkte
  • Entfernung von der geplanten Route
  • akzeptierte Zahlungsmittel
  • mögliche Stand- oder Blockiergebühren

Bei einer längeren Reise kann es deshalb sinnvoller sein, nicht einfach die nächstgelegene Ladestation anzufahren, sondern die Ladestopps bereits bei der Routenplanung zu berücksichtigen.

4. Schnellladen gezielt einsetzen

Schnellladestationen sind besonders auf längeren Fahrten praktisch. In der Schweiz befinden sich viele leistungsfähige Ladepunkte an Autobahnen, Raststätten, Tankstellen, Einkaufszentren und wichtigen Verkehrsachsen.

Netze wie GOFAST, Ionity und die Supercharger von Tesla ermöglichen hohe Ladeleistungen. Zahlreiche Tesla-Supercharger können inzwischen auch von Fahrzeugen anderer Marken genutzt werden.

Schnellladen ist komfortabel, muss aber nicht die günstigste Lösung sein. Wer genügend Zeit hat, kann an einer langsameren AC-Ladestation unter Umständen günstiger laden.

Vor allem bei längeren Autobahnfahrten zählt jedoch nicht nur der Strompreis. Eine höhere Ladeleistung kann die Reisezeit deutlich verkürzen. Deshalb kann ein etwas höherer Preis pro Kilowattstunde sinnvoll sein, wenn sich dadurch ein längerer Aufenthalt vermeiden lässt.

5. Zu Hause bleibt das Laden besonders komfortabel

Wer über einen eigenen Parkplatz oder eine Garage verfügt, sollte prüfen, ob eine Wallbox installiert werden kann.

Das Laden zu Hause hat mehrere Vorteile. Das Fahrzeug kann beispielsweise über Nacht geladen werden und steht am nächsten Morgen wieder mit ausreichend Energie zur Verfügung. Abhängig vom Stromtarif und einer vorhandenen Photovoltaikanlage können zudem attraktive Energiekosten möglich sein.

Eine Wallbox ist für regelmässiges Laden grundsätzlich besser geeignet als eine gewöhnliche Haushaltssteckdose. Haushaltssteckdosen sind nicht für jede Form einer über viele Stunden anhaltenden hohen Belastung ausgelegt. Bei einer fest installierten Ladeeinrichtung werden Anschluss, Leitung und Absicherung von einer Elektrofachperson auf die benötigte Leistung abgestimmt.

Bei Mietwohnungen und Stockwerkeigentum müssen zusätzlich die Eigentumsverhältnisse und die technische Situation der Liegenschaft berücksichtigt werden.

6. Laden am Arbeitsplatz kann besonders praktisch sein

Immer mehr Schweizer Unternehmen stellen auf ihren Parkplätzen Ladestationen für Mitarbeitende zur Verfügung.

Für Mitarbeitende kann das eine besonders einfache Lösung sein, weil das Fahrzeug während der Arbeitszeit ohnehin mehrere Stunden abgestellt ist. Eine sehr hohe Ladeleistung ist dann häufig gar nicht notwendig.

Unternehmen können den bezogenen Strom je nach System kostenlos zur Verfügung stellen oder individuell abrechnen. Moderne Ladeanlagen ermöglichen eine Zuordnung des Stromverbrauchs zu einzelnen Fahrzeugen oder Nutzern.

Für Personen mit Geschäftsfahrzeugen sind Firmenladekarten ebenfalls interessant. Wer regelmässig beruflich unterwegs ist, sollte allerdings prüfen, welche Ladenetze von der Firmenladekarte tatsächlich unterstützt werden und ob private Ladevorgänge erlaubt sind.

7. Beim Einkaufen laden, aber Parkregeln beachten

Auch bei Einkaufszentren, Detailhändlern, Fachmärkten, Restaurants und anderen öffentlich zugänglichen Standorten gibt es zunehmend Ladestationen.

Das kann praktisch sein: Während des Einkaufs wird das Fahrzeug geladen, ohne dass dafür ein zusätzlicher Halt notwendig ist.

Vor dem Anschliessen sollten jedoch sowohl der Ladetarif als auch die Parkplatzbedingungen kontrolliert werden. Einige Standorte begrenzen die Parkzeit oder erheben nach einer bestimmten Ladedauer zusätzliche Gebühren.

Bei Schnellladestationen können Blockiergebühren hinzukommen, wenn das Fahrzeug nach längerer Zeit weiterhin am Ladepunkt steht. Solche Regelungen sollen verhindern, dass belegte Schnellladeplätze unnötig lange blockiert werden.

Auch bei der Bezahlung gibt es Unterschiede. Je nach Anbieter erfolgt sie beispielsweise über eine App, eine RFID-Ladekarte, Kreditkarte oder direkt über einen QR-Code. Wer eine Firmenladekarte verwendet, sollte vorher prüfen, ob diese am jeweiligen Ladepunkt akzeptiert wird.

Die einfachste Lösung ist meistens die beste

Für die meisten Elektroautofahrerinnen und -fahrer in der Schweiz ist es nicht notwendig, ständig zwischen zahlreichen Ladekarten und Tarifen zu wechseln.

Wer zu Hause oder am Arbeitsplatz laden kann, benötigt öffentliche Schnellladestationen hauptsächlich auf längeren Strecken. Wer auf öffentliche Ladestationen angewiesen ist, sollte sich dagegen ein oder zwei gut passende Anbieter suchen und vor jedem Ladevorgang kurz den aktuellen Preis kontrollieren.

Am Ende geht es nicht darum, bei jeder einzelnen Kilowattstunde den absolut tiefsten Preis zu finden. Entscheidend ist ein vernünftiges Verhältnis zwischen Kosten, Verfügbarkeit und Komfort.

Mit einer passenden Ladelösung für den Alltag, einer guten Abdeckung für längere Fahrten und einem kurzen Preischeck vor dem Start lässt sich Elektromobilität in der Schweiz unkompliziert nutzen, ohne für das Laden mehr als nötig zu bezahlen.